Sakralraum | Ludwig Technique

Sakralraum

Ludwig Technique

Rückblick:

Fotos: VORBRENNER

Iteration 1: Ein Prozess der RaumFindung
Von Karfreitag bis Ostersonntag wurde der schwarze Raum des Freien Theaters zum sakralen Bau transformiert, der als Probebühne für Spiritualität außerhalb jeglicher Tradition diente. Raumgreifende, crossmediale Installationen von Alexander Roshe und Christoph Fügenschuh öffneten den Raum für das Erleben mit allen Sinnen, flankiert durch Seitenaltäre von Syl Via, eekhoorn und ludwig technique.
Mit performativen Interventionen an den Osterfeiertagen wurde der praktische Diskurs über die Natur des spirituellen Erlebnisses geführt. Angelehnt an traditionelle Osterfeste wurden die drei Tage thematisch in die Begriffe Tod, Verwandlung und Auferstehung geteilt. Wie in Sakralbauten üblich, war der Raum außerhalb der “rituellen Nutzung” durch die Performances von Karfreitag Früh bis Ostersonntag Abends geöffnet.

Der Plan…
Die Idee zum Sakralraum entstand aus der Beobachtung, dass zwischen künstlerischem Schaffen und spiritueller Praxis eine große Übereinstimmung besteht. Als gelebte Praxis verlangen beide viel Hingabe, manchmal auch persönliche Entbehrungen. Dennoch wird ihre Ausübung von den Handelnden (Gläubige, Künstler) als zwingende Notwendigkeit wahrgenommen, auf die nicht oder nur vorübergehend verzichtet werden kann. Um als wirklich befriedigend erlebt zu werden, brauchen beide eine Gemeinschaft, auch wenn ihr Erlebnis ausschließlich von jeder und jedem einzeln für sich gemacht wird.
Das Ziel des Sakralraums war, einen Ort zu schaffen, in dem möglichst alle Teilnehmenden (Schaffende und Betrachtende) möglichst unvoreingenommen einen praktischen Diskurs über Kunst und Spiritualität führen können. Die räumliche Intervention sollte zu diesem Zweck alle Sinne für eine Selbst-Begegnung öffnen.

…die Tat…
Zwischen Oktober 2014 und März 2015 wurde die Gestaltung des Sakralraums und der darin zurAufführung gebrachten Performances in einem gemeinschaftlichen Prozess entwickelt. Am Ende war einegrobe räumliche und zeitliche Einteilung entstanden, in dem die Details der Umsetzung offen gelassenwurden im Sinne der gemeinsamen Auffassung, dass authentisches Erleben nicht geplant werden kann.
Am Palmsonntag begannen die Aufbauarbeiten, die von allen gemeinsam umgesetzt wurden. Das Kollektiv verbrachte beinahe ihre gesamte Wachzeit im Dienst des Sakralraums. Es wurde eine Woche lang gemeinsam gearbeitet, gegessen, geredet und das Erlebte refektiert. Mit Wortwiederholungen von Syl Via und Helga Hauffe sowie Das Tragen schwerer Lasten von ludwig technique begann am Karfreitag der praktische Diskurs. Am Samstag Abend war the source von Christoph Fügenschuh ein intensiver emotionaler Höhepunkt. Die autobiographische Lesung Scheinbar Denkbar von Stefan Payr rundete mit einer gemeinsamen Agape das Erlebnis zu einem gelungenen Fest ab. In ihren live drawing sessions während der gesamten Zeit schuf Jana Bereiter mehrere Ikonen, die ihr Erlebnis dokumentieren.

…und die Zukunft
Das Erlebins des Sakralraums war für mich in seiner ganzheitlichen Intensität unvergleichlich. In diesem Sinne sehe ich diese erste Iteration als empirische Bestätigung, dass der erweiterte Kunstbegriff im Sinneeines Joseph Beuys oder der Frithjof Bergmanns Freiheitsbegriff nicht bloße Theorie, sondern erlebbare Realität sind. Es braucht dafür nur Raum, Haltung und Handlung. Die Erschließung neuer Sakralräume ist bereits in Arbeit.