Entangled Space | Rafael Ludescher

Rückblick:

Fotos: VORBRENNER

ein virtuelles raumschauspiel
stell dir vor, du bist nicht abhängig von kamera-positionen und bild-kompositionen anderer – du entscheidest, was dir im raume betrachtenswert scheint: willst du den blick nach oben richten, dann richtet sich der blick nach oben! du entscheidest in welcher geschwindigkeit die narration vonstatten geht: willst du an einer stelle länger verweilen, durch den raum hindurchschlendern oder gesehenes nochmalig sehen, dann verweilst du länger, schlenderst hindurch und siehst gesehenes nochmals.
kinosessel und theaterraum wurden aufgelöst – es gab diese realen dinglichkeiten nicht mehr. sie wurden teil des virtuellen handlungsraumes: du warst die handlung!

man ist ja von natur kein engel,
vielmehr ein welt- und menschenkind,
und ringsumher ist ein gedrängel,
von solchen, die dasselbe sind.
(wilhelm busch,”nicht artig”,
in: “zu guter letzt”)

Workshops

.|||||||| _entstehung und entwicklung des projektes
die projektidee entstand vor anderthalb jahren. mit der damaligen aufnahme in das programm des freien theaters unter vorbrenner 13 entwickelte rafael ludescher kontinuierlich das konzept weiter und experimentierte an dessen umsetzung.
es galt in erster linie die handlung für das stück mit bis dato völlig unkonventionellen methoden umzusetzen. bisherige erfahrungen und eindrücke, die uns aus medien und formen wie film, theater, kino bekannt sind, sollten weiter entwickelt werden. neue ansätze, die uns im digitalen zeitalter längst im alltagsleben begegnen, wurden mit diesem projekt verschmolzen, um schließlich eine virtuelle realität am ich auch erfahrbar machen zu können.
da das projekt in dieser art völlig einzigartig war – es keine fertig, verwendbaren produkte, programme als vorlagen gab – bedeutete das auf der praktischen seite grundlegendes:
der virtuell, persönlich erfahrbare raum musste im wahrsten sinne des wortes erst produziert werden. einzelne technische hard- und software wie 3dvideobrille, kopfhörer, ortungssystem und das grundgerüst eines computerspieles wurden evaluiert und schließlich aufeinander per programmierung abgestimmt. der technische teil sollte aber nur unterstützend wirken, um neue möglichkeiten der geschichtenerzählung aufzumachen. so wurde dazu parallel eine handlung konzipiert, die auf gesellschaftspolitischer ebene u.a. inspirationen durch die österreichische seele des arztes und psychologen erwin ringel erhielt.

.|||||||||||| _idee und konzept
in entangled spaces wurde realer und virtueller raum miteinander verknüpft. raumempfinden erhielt eine neue bedeutung und eine adaption des seh- und koordinationssinnes an eine irreale gegebenheit erfolgte: der bzw. die betrachterIn wurde ausgestattet mit einer 3d-videobrille, einem kopfhörer und einem ortungssystem. die person konnte damit alleine in das stück eintauchen und war im grunde autonom in der entscheidung über dauer, „bildausschnitt“ und wege, die im stück zurück gelegt wurden. entangled spaces experimentierte mit dem psychischen und physischen sowie individuellen erfahrungen in einer virtuelle realität gleichermaßen.

.|||||||||||| _technischer ablauf
in entangled spaces wurde realer und virtueller raum miteinander verknüpft. raumempfinden erhielt eine neue bedeutung und eine adaption des seh- und koordinationssinnes an eine irreale gegebenheit erfolgte: der bzw. die betrachterIn wurde ausgestattet mit einer 3d-videobrille, einem kopfhörer und einem ortungssystem. die person konnte damit alleine in das stück eintauchen und war im grunde autonom in der entscheidung über dauer, „bildausschnitt“ und wege, die im stück zurück gelegt wurden. entangled spaces experimentierte mit dem psychischen und physischen sowie individuellen erfahrungen in einer virtuelle realität gleichermaßen.

.|||||||||||| _inspirationen handlung
erwin ringel, bekannter arzt und autor zahlreicher bücher u. a. von die österreichische seele (1984), geht zeit seines lebens einem phänomen nach, das ausgangspunkt und hintergrund für dieses stück wurde: einengung bis hin zur auswegslosigkeit. so schreibt ringel von der möglichkeit, „dass ein Mensch von einer Situation überwältigt wird, die er als übermächtig, unbeeinflussbar erlebt, der gegenüber er sich hilflos-ohnmächtig empfindet; in diesem Zustand völliger Umzingelung weiß man nicht ein noch aus […]. Eine solche situative Einengung kann entweder entstehen als Folge eines von außen verhängten Schicksalsschlages oder als Resultat des eigenen Verhaltens und schließlich auch als bloße Einbildung, die mit der Realität nicht übereinstimmt.“ u.a. berichtet ringel auch von situationen, die zu veränderten werteeinstellung führen können.
„Immer mehr Lebensgebiete werden uninteressant, gleichgültig, nichts bedeutet ihm etwas wirklich Wichtiges. Von diesem Vorgang ist oft auch die Wertverwirklichung betroffen, die durch ein gehemmt-passives Verhalten behindert wird. Daraus resultiert mit tragischer Konsequenz die Empfindung, dass die eigene Existenz wertlos sei. Ein reduziertes Selbstwertgefühl, der Eindruck, nicht benötigt zu werden, entbehrlich zu sein, spielt beim Selbstmord eine wesentliche Rolle. Gar nicht so selten sehen wir im präsuizidalen Status auch eine wertmäßige Isolierung, das heißt, man stimmt hinsichtlich seiner Werte und Wertungen mit der Allgemeinheit nicht mehr überein, steht abseits, ist wertmäßig ein Außenseiter.“

.|||||||||||| _beteiligte
rafael ludescher idee | konzept | design | handlung | leitung | umsetzung
hannes ludescher hardware support
stefan günther männliche stimmen
adrian marte technischer support
katharina pechlaner weibliche stimme
clemens paulus soundabmischung
florian eberle modelling
manuel rothmund handlung
waltraud indrist öffentlichkeitsarbeit | projektsupport