1. – 14.09.2019 | Drahtseilakt | Nika Pfeifer, Milena Kipfmüller

 

Drahtseilakt

Ein Projekt von Nika Pfeifer und Milena Kipfmüller

In einem atemberaubenden Drahtseilakt, in dem die Zeit rückwärts läuft, inszeniert dieses VORBRENNER-Experiment einen realen Vor- und Zwischenfall aus dem Jahr 1949. Ein berühmter Seiltänzer und seine Tochter stürzten beim Versuch, den Wiener Donaukanal auf einem Drahtseil zu überqueren, ab und starben. Indem die Zeit des Kunststücks sowohl rück- wie vorwärts erzählt wird, wird das Geschehen, das fatal endete, in der Nacherzählung – versuchsweise – als gelingender Akt neu realisiert. Der alles entscheidende Moment, der früher wie heute als Sollbruchstelle inszeniert wird, ist jetzt der Live-Stream: Der digitale Strom, der nicht übertanzt, sondern selbst zum Fluss wird, wird auf der Bühne zum Dialogpartner, mit dem aus den geströmten Ereignissen in körperlicher Bühnengefahr die Frage nach der Bedeutsamkeit eines Augenblicks gestellt und akustisch-performativ als Echtzeit-Bühneninstallation inszeniert wird.

Milena Kipfmüller und Nika Pfeifer performen einen risikofreudigen Drahtseilakt, der das vergangene Kunststück mit einem heutigen verbindet. Das in Kriegszeiten benutzte Periskop, mithilfe dessen kommende Gefahren „um die Ecke” vorausgesehen werden, setzen die beiden als audio-visuelle Ebene dem Text entgegen und nutzen die Plattform Periscope als Bild und Audiopool, der sich den Seiltänzern entgegensetzt. Der Text selbst und der digitale Input werden zu musikalischen Materialien. Sätze, Wörter, Silben, aus denen das Ereignis entsteht, werden von ihnen live gesampelt und zu einer Symphonie der bedeutsamen Erwartung komponiert – diese wiederum in einer Feedbackschleife live gestreamt und als Soundtrack-Hörspiel ins Radio übertragen.

Projektzeitraum BRUX: 1.-14. September 2019

Veranstaltungen:
Fr, 13.9. und Sa, 14.9.2019, um 20h

Milena Kipfmüller wuchs zwischen Deutschland und Brasilien zweisprachig auf. Sie studierte an der Universidade de Sao Paulo Oboe und Klavier sowie Musikwissenschaft und Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg und Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Seit 2009 lebt und arbeitet sie als Klangkünstlerin, Regisseurin und Dramaturgin in Berlin. Zusammenarbeiten verbinden sie mit Gob Squad, dem International Institute of Political Murder/Milo Rau, matthaei & konsorten, dem Komponisten Klaus Janek, den Sophiensaelen Berlin, zeitraumExit Mannheim, sowie dem WDR, dem RBB und dem ORF. Für ihre Hörspielfassung des Stückes »Hate Radio« erhielt sie den Hörspielpreis der Kriegsblinden. 2016 war sie Stipendiatin des Forecast Forums am Haus der Kulturen der Welt Berlin. 2017 war sie Residentin des Qo2 in Brüssel sowie Stipendiatin der Robert Bosch Stiftung und des Goethe Instituts in Salvador de Bahia.

Nika Pfeifer Schriftstellerin, visuelle und Laut-Gedichte, Performerin. Schreibt Gedichte, Prosa und radiofone Arbeiten. Sie promovierte interdisziplinär in Politikwissenschaft und Linguistik und unterrichtet Creative Writing (University of Arizona, Srishti Art School Bangalore, vienna poetry school, Wien). Sie schreibt und publiziert in deutscher und englischer Sprache und präsentiert ihre Arbeiten in Installationen, Ausstellungen, Bild- und Soundperformances (Unruhe der Form, Wr. Festwochen, Alte Schmiede, Literaturhaus Wien, haus für poesie, Berlin). Songwriter und Sängerin der Band maronif (2006-09). Mitglied der grazer autorinnen autoren versammlung (GAV). Ihre Gedichte wurden ins Englische, Serbische, Französische, Hindi, Mallayallam, Chinesische, Spanische und Italienische übersetzt. Nika lebt in Wien und Berlin. 2012 Reinhard-Preissnitz-Preis. 2018 Max Kade Residency University of Arizona. 2018 BangaloResidency, Goethe Institut. Aktuelle Publikationen: TUCSONIC (Hochroth 2019). Violante (Czernin 2017).